Rückschau auf den Artikel aus dem April 2020

Die Coronavirus Pandemie verlangt uns privat und beruflich einiges ab und hat unser Leben in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. Sei es, weil wir durch die Massnahmen des Bundes im Kampf gegen die Pandemie zum Nichtstun in den eigenen vier Wänden verdammt sind –  oder weil wir durch die veränderten beruflichen Anforderungen bis an unsere Grenzen belastet werden. Gleich, zu welcher Gruppe wir gehören, viele Menschen suchen in diesen Tagen verstärkt den Ausgleich in der Natur.

Doch die Natur steht auch ohne Pandemie bereits unter erhöhtem Druck, gibt es doch kaum noch naturbelassene Flächen, um den spezifischen Anforderungen der unterschiedlichen Pflanzen- und Tierarten gerecht zu werden. Auch der Klimawandel wirkt sich bereits heute spürbar auf Flora und Fauna aus. Jetzt im Frühjahr stehen beispielsweise die Vögel besonders unter Druck, innert kürzester Zeit Partner und Nistplatz zu wählen, Eier zu legen und dem Nachwuchs einen guten Start in das Abenteuer Leben zu ermöglichen.

Ein ruhiger Moment am Tobelweiher Ende Februar 202
Müll beim Krebsiweiher
Nach dem Partygelage: eine Feuerstelle ausserhalb vom Grillplatz

Und nun treffen sie also alle zusammen, die zerbrechliche Natur und die Coronavirus-geplagte Bevölkerung mit einem breiten Feld an unterschiedlichen Ansprüchen:

So wird der die Stille suchende Wanderer schon am frühen Morgen vom vorbeirasenden Mountainbiker überholt. Der (mit und ohne Leine) den vielfältigen Tierspuren hinterherschnüffelnde Hund ergötzt sich auf seiner täglichen Gassirunde an den im Müll versteckten Essensresten des lautstarken Partygelages der vorangegangenen Nacht. Die mit allerlei Tragetaschen, Decken und Sonnenschirm bepackte Familie mit drei kleinen Kindern freut sich über eine einsame Kiesinsel abseits vom Weg – sogar mit eigener Feuerstelle.

Jeder Natursuchende erobert seinen Platz zur eigenen Erholung und ist vielleicht just in diesem Moment der Auslöser dafür, dass beispielsweise störungssensible Vogelarten ihre Brut aufgeben. Doch die Natur leidet leise und das Rufen der hungrigen Küken geht im Rauschen der Luppmen unter.

Kiesinsel mit „Kletterparcours“ im Steilhang für die Kinder wurde erobert – zum Leidwesen der in der Nähe brütenden Wasseramsel und Gebirgsstelze.

Vormals erholsame Spaziergänge in der Natur werden so zu einem emotionalen Spiessrutenlauf: Müll zusammenräumen, bevor er vom Wind verweht wird; zahlreiche Natursuchende darauf ansprechen, dass sie sich gerade abseits vom Weg in der Nähe eines Nests von Wasseramsel, Gebirgsstelze, Zaunkönig & Co befinden. Erfreulicherweise reagieren die meisten Angesprochenen verständnisvoll und waren sich nicht bewusst, dass sie gerade Ursache einer Tragödie für Vogeleltern sind, die nicht ihren Nachwuchs versorgen können. Und so bleibt nur beim nächsten Spaziergang auf Besserung zu hoffen.

So kann es auch gehen: der aufgeräumte Grillplatz am Tobelweiher

Doch manchmal gibt es auch Anlass zur Freude: der nach einer Feier am nächsten Tag vorgefundene Grillplatz am Tobelweiher war sauber hinterlassen worden. Die Natur dankt.

Sonja Ellermeyer

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