Rückschau auf den Artikel vom Juni 2020

Eingebettet in der wunderschönen Landschaft des Zürcher Oberlandes lassen sich um den Pfäffikersee zahlreiche seltene Vogel-, Insekten- und Pflanzenarten entdecken.

Doch nicht nur die Augen sind gefordert. Seit einigen Wochen sind markante Vogelstimmen aus der Vegetation um den Pfäffikersee zu hören, auch wenn sich der zugehörige Vogel meistens nicht blicken lässt.  Rohrsänger gehören zu den Langstreckenziehern unter den Vögeln und haben den Winter in Afrika verbracht. Nur während der Brutzeit sind sie hier für wenige Monate am Pfäffikersee zu beobachten – oder vielmehr – zu hören.

Rohrsänger bauen ihr napfförmiges Nest in der dichten Vegetation und abhängig von der Art, mehr oder weniger nah am Wasser. Sie sind geschickte Kletterer und ernähren sich von Spinnen, Insekten und Larven, die sie im Schilf oder anderen Feuchtgebietspflanzen und -büschen vorfinden. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt.

Teichrohrsänger

Der Teichrohrsänger ist normalerweise der erste Rohrsänger, der an den Pfäffikersee zurückkehrt und seit Ende April wieder aus dem Schilf zu hören ist. Er ist bestens an das Leben im Schilf angepasst und hüpft und klettert geschickt zwischen den Schilfhalmen umher. Der eher unscheinbare Vogel ist oben braun und unten bräunlichweiss mit weisslicher Kehle gefärbt. Sein spitzer Schnabel ist gut zum Fangen der Insekten im Schilf geeignet. 

Mit dem laut schwätzenden Gesang grenzen die Teichrohrsänger ihr Revier im Schilfgürtel ab. Der Gesang ist ein langer, geschwätziger Monolog mit „tscharr“ und „tschirrak“ Elementen, der „ohne Punkt und Komma“ im gleichbleibenden Rhythmus vorgetragen wird. 

Drosselrohrsänger

Zwei Wochen nach den ersten Teichrohrsängern, ab Anfang Mai, ertönt eine neue Stimme aus dem Schilf: der Drosselrohrsänger. Er ist der grösste und schwerste aller mitteleuropäischen Rohrsängerarten. Allein schon aus diesem Grund stellt er besondere Anforderungen an den Schilfbestand, der mindestens 3 Jahre alt, eine bestimmte Halmdicke und -dichte aufweisen und mindestens fünf Meter breit sein muss. Meistens ist der Drosselrohrsänger auf höheren und stabilen Schilfhalmen an vorderster Front zur Seeseite zu finden.

Der Drosselrohrsänger ist oben braun, unten beigeweiss gefärbt mit einer weisslichen Kehle und einem schlanken aber kräftigen Schnabel. Von Teich- und Sumpfrohrsänger unterscheidet er sich neben seiner Grösse auch durch den deutlich erkennbaren hellen Überaugenstreif.

Seinen markanten Gesang lässt er häufig von der Spitze eines grossen Schilfhalmes hören. Sicherlich ein oft amüsanter Anblick, diesen relativ grossen und kräftigen Vogel überraschend geschickt auf dem dünnen Schilfrohr balancieren zu sehen.

Sein knarrender und rauer Gesang unterscheidet sich vom Teichrohrsänger durch holprige Verzögerungen (also kein gleichmässiger Rhythmus ohne „Punkt und Komma“), sehr grosse Tonsprünge von tiefen zu hohen Lauten, die an „karre-karre-kiet-kiet“ erinnern.

Sumpfrohrsänger

Ab Mitte Mai gesellt sich eine weitere Stimme zum täglichen Vogelkonzert am Pfäffikersee: Der Sumpfrohrsänger ist für etwa 3 Monate aus seinem Winterquartier zur Brut wieder zurückgekehrt. Optisch ist der Vogel kaum vom Teichrohrsänger zu unterscheiden. Aber dafür helfen der Gesang und das typische Bruthabitat bei der Unterscheidung.

Der Sumpfrohrsänger ist häufig in Büschen und Hochstaudenfluren in Feuchtgebieten oder Gräben anzutreffen. Er meidet eher reine Schilfröhrichte oder wasserdurchflutete Gebiete und ist im Gegensatz zu Teich- und Drosselrohrsänger weniger an schilfreiche Ufervegetation von Seen gebunden.

Beim Gesang sorgt der kleine, unauffällige Vogel für so manche Überraschung. Der Sumpfrohrsänger imitiert die Rufe und Gesänge anderer Vogelarten, die er geschickt mit typischen Rohrsängerelementen mischt. Auf diese Weise entsteht ein abwechslungsreiches Geschwätz, das in flottem Tempo mit quirlenden, gequetschten und rauen Lauten vorgetragen wird.  Angereichert wird der Gesang mit sich wiederholenden Elementen anderer Vogelarten. Im Schnitt imitiert ein Sumpfrohrsänger in seinem individuellen Gesang etwa 80 Vogelarten. Es konnten aber auch schon bis zu 212 Vogelarten nachgewiesen werden. Besonders spannend ist, dass die Jungvögel den Gesang nicht von den Eltern lernen, da der Vater spätestens mit Beginn der Fütterung der Jungen aufhört zu singen und nicht als Vorbild dienen kann. So bleibt den jungen Vögeln nichts anderes übrig, als sich an den einheimischen Vögeln und den Vögeln des Überwinterungsgebietes zu orientieren. Seien sie also nicht überrascht, wenn Sie neben Feldlerche, Rauchschwalbe, Amsel, Blaumeise, Feldsperling, Grünfink, Mäusebussard, Elster auch plötzlich afrikanische Vogelstimmen aus dem Gebüsch um den Pfäffikersee zu hören glauben.

Geübt werden können die unterschiedlichen Vogelstimmen auch unter folgendem Link der Vogelwarte Sempach: https://www.vogelwarte.ch/de/voegel/voegel-der-schweiz/

Text: Sonja Ellermeyer, Fotos: Michael Gerber

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