Wenn der Mais SOS funkt
Wie Pflanzen kommunizieren und wie sie sich vernetzen
Über 50 Personen sassen im reformierten Kirchgemeindehaus in Pfäffikon und freuten sich, bis Florianne Koechlin, Biologin und Autorin, mit ihrem Vortrag begann. Man merkte unschwer, dass sie für das Thema der Pflanzenkommunikation brennt – auch im Alter von 77 Jahren.

In einem ersten Teil erfuhren wir, wie die Pflanzen sich gegenseitig warnen können bei Schädlingsbefall und dass es unter dem Boden zu und her geht, wie auf einem Basar. Es findet ein riesiger Austausch von Informationen, Nährstoffen, etc. untereinander statt. Daran sind viele winzig kleine Organismen beteiligt, wie zum Beispiel Pilze und Mikroben. Wenn Maispflanzen von einem Schädling angegriffen werden, beginnen sie sich zu wehren und senden Duftstoffe aus, welche die Nachbarinnen warnen, so dass auch diese sich vorbereiten können. Etwas später produzieren sie ein anderes Duftgemisch, mit dem sie gezielt Nützlinge anlocken. Sehr interessant ist: Werden die Pflanzen von Raupen angegriffen, produzieren sie einen Duftstoff, der Schlupfwespen anlockt. Werden sie hingegen von Spinnmilben angegriffen, locken sie mit einem anderen Duftstoff Raubmilben an.Die Pflanze schmeckt am Speichel, wer sie gerade angreift und produziert einen Duftstoff,der den geeigneten Bodyguard anlockt. Ein grossartiges Kommunikationskunststück.

Im zweiten Teil, nach einer kurzen Pause, ging es darum,wie diese Erkenntnisse für die Landwirtschaft gebraucht werden können, damit in Zukunft weniger Pestizide und synthetische Dünger eingesetzt werden müssen. Mais, Bohne und Kürbis werden in Zentral- und Südamerika seit langer Zeit zusammen angebaut. Sie unterstützen sich gegenseitig. Der Mais liefert Kohenhydrate und die Bohne benutzt den Mais als Bohnenstange und liefert Proteine. Mischkulturen mit Bohne und Mais werden in der Schweiz auch erprobt, können aber erst für Tierfutter gebraucht werden. Immerhin ist dadurch weniger Kraftfutter nötig. Gerste und Erbse ist eine andere Mischkultur, welche schon maschinell geerntet werden kann und für die menschliche Ernährung bestimmt ist.
Alle Expertinnen und Experten, welche Florianne Koechlin über die Zukunft der Landwirtschaft befragt hat, sind der gleichen Meinung. Es braucht dringend mehr Vielfalt.
Am Büchertisch, welcher von einem Vereinsmitglied betreut wurde, konnte man Bücher der Referentin kaufen.
Dies sind ein paar wenige Beispiele aus ihrem spannenden Vortrag. Wer mehr erfahren möchte über die neusten Erkenntnisse der Pflanzenkommunikation und Vernetzung, findet die Informationen in ihrem neusten Buch «verwoben und verflochten».
Text: Doris Schaffner Boog
Fotos: Günter Spaar und Simon Halter
