Baumschutz in Pfäffikon – was bringt er?
Was tut die Gemeinde Pfäffikon für die Artenvielfalt und wo könnte sie mehr machen? Diese Fragen standen im Zentrum eines Rundgangs mit dem Naturschutzbeauftragten der Gemeinde Lorenz Hug.
Schon bei der Begrüssung stellte Edith Küpfer, Vorstandsmitglied des organisierenden Natur- und Vogelschutzvereins Pfäffikon, fest, dass die Artenvielfalt in der Schweiz bedroht ist und ein Drittel der Arten gefährdet ist.
Auf seinem Rundgang ging Lorenz Hug neben dem Baumschutz auch auf das Neophyten-Konzept, das neu überarbeitete Naturschutzinventar samt Verordnung, sowie auf das Bauprojekt Gemisbächli und kurz auf die Gebäudebrüter ein.
Beim östlichen Veloständer am Bahnhof wuchert das Henrys Geissblatt. Diese immergrüne Pflanze aus Asien wurde als attraktive Gartenpflanze bei uns eingeführt. Durch Vögel, die deren Beeren fressen oder durch Gartenabraum gelangte sie in unsere Wälder und an andere Orte. Hier verhält sich der Neophyt invasiv, hat keine Krankheiten und wird nicht von Schädlingen befallen. Er bildet ein dichtes Netz aus bis zu 10m langen Ranken, überwuchert andere Pflanzen und raubt ihnen Platz und Licht. Da hilft nur noch maschinelle Bekämpfung. Das Neophyten-Konzept der Gemeinde sieht sogenannte Fokusarten vor, die prioritär bekämpft werden, dazu gehören gesundheitsgefährdende Arten. Auch besonders wertvolle Gebiete, wie Schutzgebiete werden von Neophyten befreit.

Anhand der stattlichen Sommerlinde beim Atelier Dati wird das Baumschutzinventar erläutert. Dieses Instrument in der Bau- und Zonenordnung bedeutet, dass ein geschützter Baum nur mit Zustimmung der Baubehörde gefällt werden darf. Kriterien für eine allfällige Fällung sind der ökologische Wert des Baums und die Sicherheit. Zudem muss ein 1:1 Ersatz auf der gleichen Fläche erfolgen. Die Frage wie hoch eine allfällige Busse wäre, konnte nicht beantwortet werden. Ein Teilnehmer wünschte sich ein offensiveres Vorgehen der Baubehörde beim Schutz von grossen Bäumen und erwähnte die kürzliche Fällung von grossen Bäumen an der Rigistrasse. Bei Bäumen mit Baumschutz übernimmt die Gemeinde 30% der Pflegekosten, wenn z.Bsp. Äste fachgerecht von einem Baumpfleger zurückgeschnitten werden müssen. Bei der Wohnüberbauung Steinmüri und ums Geratrium sind ganze Baumgruppen geschützt. Die Obstbäume und die Ahornallee sind Ersatzpflanzungen für die verloren gegangenen Obstgärten auf dem Areal. Für die Pflege des Bestandes gibt es Auflagen im Baumschutzinventar.

Nächste Station ist das Gärtnerzentrum an der Hörnlistrasse. Auf der Rückseite des Zentrums sieht man, dass auch in der Ausbildung langsam ein Umdenken stattfindet. Totholzstämme, Kiesflächen, Sandlinsen und Trockensteinmauern zieren das Areal. Die Gemeinde stellt dem Zentrum einen Platz zur Verfügung und man kann gespannt sein, was dort realisiert wird.
Am Rand des Schulhauses Pfaffberg gelangen wir in die Landwirtschaftszone, hier greift die Verordnung über die Natur- und Landschaftsschutzobjekte von kommunaler Bedeutung. Für alle landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Verordnung gibt es Vereinbarungen mit den Bewirtschaftern über die Pflegemassnahmen. Dafür erhalten sie Beiträge. Bei den Hecken und anderen Naturschutzobjekten werden – wie bei den Bäumen in der Bauzone – 30% des Pflegeaufwandes von der Gemeinde übernommen.
Beim Krebsiweiher wird die Offenlegung des Abflusses bis zum Mühleweiher angesprochen – eine Aufwertung des Wasserweges bis zum See.
Mauerseglernistkästen an der Hörnlistrasse lenken die Aufmerksamkeit auf das Gebäudebrüterinventar. Hier hat der Natur- und Vogelschutzverein tolle Arbeit geleistet. Die Gemeinde ist verpflichtet ein Inventar zu führen, um bei Bauvorhaben für diese geschützten Arten geeignete Massnahmen zu ergreifen. Laut Lorenz Hug sind seit Juni 2025 auch die Sommerquartiere von Fledermäusen inventarisiert und werden bei Bauvorhaben berücksichtigt.

Viel Grünfläche ist in Privatbesitz, was kann die Gemeinde hier machen? Bei Neubauten muss ein Umgebungsplan eingereicht werden und die Vorgaben gemäss Gesetz werden auf Einhaltung kontrolliert. Bei Altbauten ruht die Hoffnung auf dem neu gegründeten NZO (Naturnetz Züri Oberland), dass man gemeinsam gute Beispiele realisieren kann.
Selbstverständlich würde sich der Natur- und Vogelschutzverein Pfäffikon ein ambitionierteres Vorgehen von der Gemeinde wünschen: wie wird sichergestellt, dass die gemeindeinternen Stellen die naturnahe Umgebungspflege bei Gemeindeliegenschaften umsetzen, was wird bis wann unternommen zur Biodiversitätsförderung im Siedlungsraum und was sind die Ziele? Welche Anreize werden gesetzt, z.Bsp. Austausch von Problempflanzen wie Kirschlorbeer oder Sommerflieder gegen einheimische Pflanzen? Private Initiativen werden gefördert und unterstützt. Das Potential im Siedlungsraum ist riesig.
Text: Edith Küpfer
Fotos: Simon Halter
